Verzweifelter Appel an Gartenbesitzer: NatureLife-Präsident C.-P. Hutter "Nicht zu früh mähen hilft Wildbienen und Schmetterlingen"

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Insekten brauchen Nahrung und Lebensräume


Stuttgart. „Es ist zum Verzweifeln, kaum recken sich die ersten Gräser und Kräuter Richtung Himmel wird in abertausenden von Gärten schon alles kurz und klein gemäht; da haben weder Wildbienen noch Schmetterlinge eine Chance“, so Claus-Peter Hutter, Präsident der Umweltstiftung NatureLife-International. Hutter empfiehlt mehr Mut zur kleinen Wildnis auch rund ums Haus, damit nicht noch mehr Tier- und Pflanzenarten aus den Dörfern und Städten verschwinden. Wer einige Quadratmeter Wiese oder wilde Stauden stehen lasse und erst Anfang Sommer mähe, leiste einen wichtigen Beitrag zum praktischen Naturschutz, heißt es bei der Umweltstiftung NatureLife-International.
Ordnungswahn und Bequemlichkeit vernichten Leben

“Es ist schon paradox: Zeitschriften wie Landlust, LandIdee, Mein schönes Land, LandGenuss, Hörzu Heimat und wie sie sonst alle heißen, erreichen Millionenauflagen. Ein klares Zeichen für die tiefe Sehnsucht der Menschen nach der heilen Welt aus Omas Zeit, nach Ruhe und Natur in immer hektischeren Zeiten.
Doch was tun wir dafür? Überall, wohin man schaut, wird das erste Grün, das sich in der Vorfrühlingssonne gegen den blauen Himmel reckt, abgemäht oder sofort aus Fugen und Ritzen entfernt, Mauerfugen werden verputzt, damit kein Erdkrümel auf die Terrasse rieselt. Terrassen, Hofeinfahrten, Wege und Plätze werden im Kleinen wie im Großen asphaltiert und betoniert. „Kein Wunder, dass Schmetterlinge, Wildbienen und Käfer keine Chance mehr haben“, beklagt NatureLife-Präsident Claus-Peter Hutter. Ganze Heerscharen von Haus- und Gartenbesitzern, Hausmeistern, Facilitymanagern, Gartenpflegediensten, Mitarbeitern kommunaler Bauhöfe und Stadtgärtnereien würden sich auf alles stürzen, was nicht geplant und gepflanzt ist. Wo früher noch selbst in kleinen Vorgärten schon im Januar die Schneeglöckchen als erste Blumenboten die Siedlungen belebten, wo schon bald darauf gelbe, weiße und lilafarbene Krokusse erste Bienen anlockten, wo später auf engstem Raum Narzissen und Tulpen den Frühling einläuteten und dazwischen so manche Wildpflanze wie Veilchen, Schlüsselblumen, Vergissmeinnicht und Buschwindröschen gediehen – manches davon hatte Oma und Uroma sogar am Waldrand »importiert« -, finden sich heute sterile Schotterhaufen, aus denen gerade noch zwei oder drei zum Sterben verurteilte Buchsbaum- oder Lavendelbüsche hervorlugen. NatureLife-Präsident Claus-Peter Hutter: „An vielen Stellen geht das Vertreiben der Natur noch perfekter, indem der Boden gleich unter Betonplatten mit unterschiedlichster Form und Farbe verschwindet“. Mit einem Pseudoterrakottakübel aus Kunststoff und irgendeiner Pflanze mit dicht gefüllten Blüten werde dann versucht, etwas südliches Flair ans Haus zu holen. Damit werde Natur und Mensch betrogen, weil wir nicht mehr wissen, was eigentlich Natur ist. Die Blüten können noch so bunte Pracht vortäuschen; Schmetterlinge, Honigbienen, Wildbienen und andere Insekten werden dort weder Pollen noch Nektar finden.

Mit jedem Vorgarten, mit jeder öffentlichen Fläche, die so umgestaltet werde, verschwinde Quadratmeter für Quadratmeter wertvoller, nicht zu unterschätzender Kleinlebensraum. Alles zusammengenommen sind nach Angaben von NatureLife ein vollkommen unterschätztes, weil nicht erkanntes Netzwerk für biologische Vielfalt in den Dörfern und Städten. Das gelte nicht nur für Vorgärten, sondern auch für Haus- und Obstgärten, etwa 17 Millionen davon seien es allein Deutschland. Die Gesamtfläche sei nicht einmal bekannt. Zusammengenommen könnten sie ein riesiges Netz vom kleinen Privatnaturschutzgebieten sein. Keine totale Wildnis, wie man sich dies von Nationalparks oder strengt geschützten Naturschutzgebieten vorstellt und wünscht, sondern nutzbare, mehr oder minder große Areale, in denen die Natur und damit Wildpflanzen und Wildtiere neben den Nutzpflanzen ganz einfach eine Chance haben, so die Umweltstiftung NatureLife in einer Pressemitteilung.